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Kolumne Hans

 

  KOLUMNE von Hans R.
   September 2008

Das war der Ötzi!
 „Gut erholt“ vom Ötzi hier mein kleiner persönlicher Erfahrungsbericht.

Ich fuhr mit dem Pauli um 19Uhr von Salzburg weg, just in Time (Fünf Minuten nach 22Uhr) kamen wir in Sölden an und holten – bis 22Uhr möglich - uns noch unsere Startnummern und das Startpaket (das übliche Glumpert) ab. Um 23Uhr genehmigten wir uns noch je eine kleine Pizza und 2 Seiterl. Danach Schlaffen, zumindest ich - da Pauli von meinen angeblichen Schnarrchen etwas gestört wurde, wir hatten ja am nächsten Tag ein bisschen was vor!

Nach einem kleinen Frühstück (mitten in der Nacht um 5Uhr!), bereiteten wir unsere Räder renngerecht auf, die Startnummer mit integriertem Chip musste vorne am Lenker mittels Draht oder Klebeband gut sichtbar optisch korrekt angebracht werden (wir Rennradfahrer müssen ja Ästheten sein, hat mal einer gesagt!).

Um dreiviertel Sieben ging es dann los, meine Mitstreiter (Pauli, Sepp, Felix und Toni) hatte ich bereits jetzt aus dem Auge verloren, die waren schon wohl etwas nervös wegen einem idealen Startplatz!?

Relativ diszipliniert aber doch recht flott ging es mitten unter rund 3700 Verrückten dann durchs Ötztal, wobei nach ein paar Kilometern das Feld zu stocken kam, da es einen kleineren Massensturz gab. Ein paar RadlerInnen saßen verletzt am Strassenrand, für einige davon war der Ötzi jetzt schon zu Ende!

Ich war froh, selbst heil zu sein, trotz Konzentration und Aufpassen ist man nie davor gefeit, in einen Sturz verwickelt zu werden.

In Ötz ging es nun das erste Mal bergauf, hier würde sich zeigen, ob ich an diesem Tag gute oder schlechte Beine habe. Nach cirka 1 Kilometer blieb ich kurz stehen und zog meine Windjacke aus, ich war schon nahe meiner Betriebstemperatur! Das Feld war noch riesig, manch Übereifriger musste sich zum Ärger Aller unbedingt mit Gewalt nach vorne drängen, obwohl es wirklich eng war.

Ich nahm es halbwegs gelassen hin, fuhr einfach meinen Rhythmus. Nach dem Ochsengarten ging es erstmals richtig zur Sache, für mich das steilste Stück (14%) der ganzen Tour! Meine SRAM half mir mittels Übersetzung 36/26, mehr ging nicht! Oben angekommen (nach 1200 Höhenmetern) machte ich Halt bei der ersten Labestation, gab meinen Körper, was er brauchte, MANNER-Schnitten sollen ideal sein, hat mir jemand verraten.

Weiter ging es, der schönste Teil der ganzen Runde: runter vom Kühtei mit vollem Karacho! Ich habe rund fünfzig Plätze gutgemacht, fuhr teilweise Geschwindigkeiten bis knapp an die 90 Km/h (was sich aber als gar nicht so schnell herausstellte, der Felix und der Toni fuhren locker über 95!).

Bis Innsbruck zersplitterte sich das Feld einigermassen, ich versuchte Windschatten zu erhaschen, ohne jedoch meinen Rhythmus allzu sehr zu überstrapazieren. Ranfahren kostet Kraft, und das ist das wenigste was ich habe. Nichtsdestotrotz, mitten in Innsbruck führte ich ein Feld von mindestens 50 Leuten an, das hat mir gerade noch gefehlt!!

Beim Anstieg zum Brenner, ging ich aus der Führung raus, zögerlich fuhren einige vor.

Irgendwann hatte ich meine Frequenz gefunden, und nach vorne hin gab es jede Menge Gruppen, wo man ein bisschen mitfahren konnte. Ich schloss mich zwei jüngere Typen mit einer roten Icehouse-Dress an, diese machten ein auch für mich gutes Tempo, ein Dritter, mit blauem Mc Donalds Logo, war auch mit von der schnellen Truppe. Ich war mir nicht sicher, ob ich da mitgehen kann, aber meine Atmung sagte mir, dass es passt.

Auf dem Weg zur Passhöhe ging ich die Strecke noch mal im Kopf durch, ich wusste, ich muss es unbedingt bis auf den Jaufenpass schaffen. Wenn ich bis dorthin nicht überdrehe, dann werde ich mich wohl auch noch auf das Timmelsjoch raufschrauben!

Obwohl ich die Strecke ja kannte, zog sich der Brenner endlos lang hin, bis am Schluss endlich diese letzte, etwas steiler ansteigende Kurve sichtbar wurde. Oben angekommen, nichts wie hin zur Labestelle, einer der beiden Icehouse Fahrer wechselte ein paar Worte mit mir, was mich insofern freute und moralisch aufbaute, weil es für mich eine Art Anerkennung war so wie: „der Alte ist gar nicht so schlecht!“ Nach kurzer Rast (inklusiver erster und einziger Pinkelpause) ging es runter nach Sterzing, von der Abfahrt war ich eher enttäuscht: kaum Geschwindigkeit und gleich unten.

Als nächstes rauf auf den Jaufenpass, ich hatte keine Ahnung mehr von früher, wie weit es raufging, ich fuhr einfach stoisch vor mich hin und hoffte, irgendwann an der Baumgrenze zu sein, dann konnte es ja nicht mehr weit sein!? Ein gewisser Tom Johnen (Name hab ich mir gemerkt, weil Ähnlichkeit mit Tom Boonen) fuhr eine Zeitlang auf gleicher Höhe mit mir, mit extrem hoher Trittfrequenz, trotz härterem Gang konnte ich ihn irgendwann nicht mehr halten. (Wie sich später herausgestellt hat, war er eine halbe Stunde vor mir im Ziel.)

Endlich, nach einer halben Ewigkeit oben angekommen, die Sohlen (ich zog die Schuhe gleich aus), und das linke Knie taten weh, das Kreuz ebenso, trank ich Pepsi und Wasser, stopfte einiges Zeug in mich hinein, allerdings auch wieder nicht zuviel, da ich ja genau wusste, nicht mit einem vollen Bauch den letzten, den schwierigsten Anstieg angehen zu können. Bis unten in St.Leonhard sollte ich das meiste schon verdaut haben!

Bei der Abfahrt vom Jaufen habe ich sicher wieder etwas gutgemacht, obwohl die Strasse gesperrt war, bin ich doch einigermassen auf Sicht gefahren, man weiß ja nie!

Unten angekommen wusste ich, der Ötzi würde für mich jetzt erst richtig beginnen!

In meiner Euphorie habe ich mit einer Auffahrtszeit von gut 2 Stunden gerechnet, als ich aber unten jemanden fragte, wie weit es denn hoch geht und der mir antwortete: „30 Kilometer!“, da wusste ich, dass es wohl ein bisschen länger dauern würde! Bei den ersten Steigungen kam ich bald mal auf eine Geschwindigkeit von unter 8 KM/H, so konnte ich mir ausrechnen, was mir noch blüht!

Nachdem all meine Daten nun ausgewertet sind, war es interessant für mich zu sehen, dass ich auf den Jaufenpass und auf das Timmelsjoch (bei einem angenommenen Einzelbergzeitfahren) exakt dieselbe Platzierung habe, nämlich jeweils 2224er. Subjektiv kam mir am Timmelsjoch vor, dass doch sehr viele vorbeigefahren sind. Andererseits standen auch jede Menge TeilnehmerInnen erschöpft am Strassenrand und waren fertig mit sich und der Welt.

So gerne hätte ich mich auch dazugestellt, aber ich wusste, wenn ich das mache, dann würde ich mich so richtig verzetteln. Mein Ziel und auch mein fester Wille war, dass ich nur an den offiziellen Labestationen Halt mache, auch wenn es mir bis dahin noch so schwer fällt!

Obwohl ich mental gut vorbereitet war, empfand ich das Teilstück von St.Leonhard bis zur Labestation in Moos als das Schlimmste, unten war es noch sehr heiss (Beginn des Anstiegs knapp nach 14Uhr), die Steigungen erschienen mir auch immer steiler (habe aber nie halluziniert!)

Im Endeffekt war es wohl nicht mein Wille, sondern mein Dickschädel, der mir nicht erlaubte, das Rad auf die Seite zu stellen, zu trinken und einfach mal ein paar Minuten durchzuatmen!! Absteigen bedeutet für mich aufgeben, auch wenn ich später weitergefahren wäre.

So biss ich also die Zähne zusammen und kämpfte mich mühevoll bis zur Labestation. Dort setzte ich mich auch kurz an den Strassenrand, nachdem dort das Sitzen aber nicht bequemer war wie auf dem Sattel, fuhr ich nach kurzer Pause weiter.

Die letzte Labestation liess ich aus, zu Trinken hatte ich noch genug, kurz vor Schluß wollte ich nicht mehr meinen Rhythmus verlieren. Irgendwann kam dann der Tunnel, erst nach der Durchfahrt realisierte ich, dass ich es schon geschafft hatte! Das Flachstück bis zur Passhöhe war dann ein Klacks, ich war einfach überglücklich, oben zu sein!

Genau auf der obersten Stelle der Tour begann es zu regnen, was mich aber nicht mehr sonderlich störte. Blöd war nur, dass die Abfahrt nicht mehr in voller Geschwindigkeit ging. Das kostete mich sicher 2-3 Minuten, aber unter 11 Stunden hätte ich es vermutlich auch bei voller Fahrt nicht geschafft.

Im Widerspruch zu meiner Erinnerung war der Gegenanstieg nach der ersten langen Abfahrt endlos lange, aber was sollte ich machen, ich hatte es ja schon geschafft! Bis ins Ziel nach Sölden gab es auch noch einige „Schmierer“, auch die hatte ich aus meinem Gedächtnis gestrichen, trotzdem machte ich noch Platz um Platz gut, da manche gar ängstlich runter fuhren.

Ich war dann fast überrascht, als ich die Häuser von Sölden sah, auf der Geraden vor der Zielkurve merkte ich, dass sich noch einer anschlich, gerade als wir antreten wollten, schob so ein „Tilo“ (der war wohl auch geistig fertig!) sein Rad über den Zebrastreifen. Der mich Attackierende ärgerte sich mit mir, ein kleiner Sprint wäre sicher noch lustig geworden (oder wir wären beide vielleicht in der letzten Kurve gestürzt!?). So ließ ich ihm gerne den Vortritt, ich war froh, heil und in einer für mich akzeptablen Zeit diesen Marathon beendet zu haben.

Alles in Allem war es eine Mordsschinderei, ein wenig stolz bin ich aber trotzdem, meinem Rekordjahr so einen Höhepunkt aufgesetzt zu haben,

meint
Euer Hans R.

PS.: Nun ist gut eine Woche vergangen, ich habe gut und schnell regeneriert, trotzdem glaube ich nicht, dass ich mir den „Ötzi“ nochmals antue! Aber an alle (Präsi etc.), die gezweifelt haben (und noch zweifeln), ob sie es schaffen:

Wenn ich Wabbler es schaffe, dann schafft Ihr es locker! Also ran an die Hügel !!!“

   

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